Wieder Streit um barrierefreie Wege

Glattes Pflaster erst einmal nur bis zur Tourist-Info / Neue Pläne für den Bereich Telsemeyer

Der Bau von barrierereien Wegen im Ortskern soll zunächst von der Landrat-Schulz-Straße über die Kniepen bis zur Tourist-Information führen. Soweit herrschte noch Einigkeit im Mettinger Bauausschuss über das Projekt, für das die Gemeinde Mittel aus der Kommunalinvestitonsförderung in Anspruch nehmen will.

Der Bereich links von Telsemeyer hoch zum Marktplatz geriet dagegen zum Zankapfel. Dabei ging es gar nicht mehr wie in vorangegangenen Debatten darum, ob das farblich abgesetzte glatte Plaster entlang der Gebäudewand von Telsemeyer oder durch die Mitte der Sunderstraße geführt wird. Reinhard Stermann brachte mit einem ausführlichen Vortrag eine neue Variante ins Spiel: Aus den Gesprächen über das Gemeindeentwicklungskonzept habe er mitgenommen, dass über eine Verbindung des Bereiches bei Telsemeyer zum alten Rathausplatz nachzudenken sei. Daher schlug der SPD-Mann vor, dort nicht einen unansehnlichen barrierefreien Streifen durch das Pflaster zu ziehen. Vielmehr müsse die Straße “als Ganzes angepackt werden”. Stermann schwebte eine Weiterführung der Straße links von der Sparkasse vor. Der Ausbau könne sich am Vorbild der Josefstraße orientieren. Damit entstehe eine Sichtachse zum Schultenhof. Und das derzeitige Hinterhofambiente in diesem Bereich werde aufgewertet.

Deshalb schlug Stermann vor, den barrierefreien Weg erst nur bis zum Tourismusbüro zu bauen. Und über den Bereich Telsemeyer ganz neu nachzudenken. Auch Dieter Parusel (Grüne) riet dazu, zunächst die Ergebnisse des Gemeindeentwicklungskonzepts abzuwarten.

Die CDU-Fraktion hielt dagegen: “Das barrierefrei Stück muss auch bei Telsemeyer weitergeführt werden. Und zwar jetzt und durch die Mitte”. machte Reinhard Kock deutlich. Ein möglicher Ausbau der Straße hinter der Sparkasse habe damit nichts zu tun. Er fände es “jammerschade”, wenn das Projekt “Barrierefreiheit im Ortskern” auf dem letzten Stück durch eine “visionäre Idee” gebremst werde, kritisierte Conrad Kamp. Dafür müssten unter anderem auch noch die Eigentumsverhältnisse geklärt werden.

Er wolle nicht bremsen, betonte Stermann. Aber ein einzelner barrierefreier Streifen in diesem Bereich des Ortskerns sei eine Bausünde. Mit einer solchen optischen Veränderung müsse die Gemeinde sehr vorsichtig sein. “Wir sind alle von den Visionen von Reinhard Stermann überrascht worden”, sagte Gertrud Lagemann (MWG). Wichtig sei aber, dass es mit dem Bau des barrierefreien Weges endlich losgehe. Schließlich müsse die Gemeinde die Fördermittel für das Projekt beantragen.

Der Ausbau soll auch starten. Zunächst aber nur bis zum Tourismusbüro. Über die Gestaltung des Durchgangs bei Telsemeyer zum Marktplatz und eine Verbindung zum alten Rathaus wollen die Lokalpolitiker in einer der nächsten Sitzungen beraten.

Für einen Moment hatte der Zuhörer im Bauausschuss das Gefühl, in der Tüöttengemeinde ist der Reichtum ausgebrochen. Da war plötzlich vom Komplettausbau der Sunderstraße mit Verbindung zum alten Rathausplatz die Rede. Und schon kam ein externer Planer für das Projekt ins Spiel. Was sind schon 10000 Euro. Der Ärger der CDU über dieses Gebaren ist verständlich. Seit Langem sprechen die Lokalpolitiker über einen barrierefreien Rundweg, über Farben und Pflastersteine. Die Finanzierung über Fördermittel steht. Jetzt soll aber noch einer drauf gesetzt werden. Da besteht die Gefahr, den Bogen zu überspannen. Nicht ganz nachvollziehbar ist zudem die Argumentation: Wieso ist ein barrierefreier Wegstreifen bei Telsemeyer eine Bausünde, in den Kniepen aber nicht? Festzuhalten bleibt: Die SPD hat mit ihrem Vorstoß die Standards zur Ortskernverschönerung sehr hoch angesetzt. Hauptsache, sie behält dabei das eigentliche Ziel,  barrierefreie Wege im gesamten Dorfzentrum zu schaffen, im Auge.

Kommentar Oliver Langemeyer
IVZ vom 30.3.2017

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